Erleben

8.906 km in 30 Stunden und wie ich dabei nicht durchgedreht bin

07/12/2018
Flug New York

Von Hamburg nach New York sollte es gehen – dazwischen kamen zwei gestrichene Flüge, eine Nacht in Oslo und ein paar Stunden in Madrid. Was für ein Abenteuer! Trotzdem hab’ ich es geschafft, nicht durchzudrehen und hatte schlussendlich die schönste Zeit in NYC.

Mitte November hab’ ich spontan einen Flug nach New York gebucht, um meine Freundin Hannah zu besuchen, die dort gerade ein Praktikum macht. Angela, eine andere Freundin, zog nach und buchte wenige Tage später auch einen Flug – was hab’ ich mich gefreut! Schon seitdem ich klein war, wollte ich unbedingt nach NYC. Und nun würde ich die Stadt gemeinsam mit zwei meiner besten Freundinnen entdecken dürfen, die ich doch so sehr vermisse, seitdem ich in Hamburg wohne.

Wir sind eigentlich eine 4er-Clique – das Kleeblatt. Diesen Namen hatte uns mal jemand während unserer gemeinsamen Studienzeit gegeben, weil wir so unzertrennlich sind. Fanden wir so lustig, dass wir ihn gleich übernommen haben. Momentan sind wir auf drei Kontinente und vier verschiedene Orte verteilt – New York, Graz, Australien und Hamburg – hab’ schon ziemlich coole Freundinnen, nicht wahr? 1/4 unseres Kleeblatts – Anna – konnte leider nicht nach NYC kommen, weil sie gerade mit ihrem Mann durch Australien reist – auch nicht schlecht. Mit der Vorfreude auf Hannah und Angela hab’ ich letzten Freitag in Hamburg die lange Reise angetreten. Ohne zu wissen, wie lang sie wirklich werden würde.

Erster Stopp: Oslo, Norwegen

Am Abflugtag war ich schon aufgeregt genug, wusste ich doch nicht sicher, dass ich in Oslo auch ein Hotel bekommen würde. So aufgeregt, dass mein Fitbit mehr als 100 Aktivitätsminuten anhand meines hohen Pulses maß. Außerdem würde das mein erster Langstreckenflug sein und das erste Mal, dass mein Flug gestrichen wurde. Ich hatte erst am Vorabend von meiner Fluglinie – Norwegian – eine Nachricht bekommen, dass der Anschlussflug in Oslo gestrichen und auf den nächsten Morgen verlegt wurde – wegen “technical problems”. Was folgte war ein Nervenzusammenbruch – Flug New Yorkdarin bin ich richtig gut.

In Oslo bekam ich von Norwegian ein Hotel und ein Ticket für das Bus-Shuttle dorthin. An der Bushaltestelle traf ich drei befreundete deutsch-türkische Männer, die genau die gleichen Flüge wie ich gebucht hatten. Geteiltes Leid ist allemal besser! Als ich schließlich im Hotelzimmer war, leuchtete auf meinem Handy schon wieder eine Nachricht von Norwegian auf. Flug am nächsten Tag auch gestrichen, diesmal aufgrund von “restrictions at
JFK”. Nun war’s endgültig vorbei mit dem Ruhe bewahren. Ich lief nur in Socken über den Gang zum Hotelzimmer
meiner Männer-Clique, die von unserem Glück noch nichts wusste. So – was nun?

Mir fiel nur ein, jemanden anzurufen, der in jeder Situation eine Lösung weiß und mich immer beruhigen konnte. Also stand ich im Hotelzimmer meiner Flugkollegen und telefonierte eine halbe Ewigkeit über FaceTime. Wie gut das tat! Ich verwarf meine Zweifel, dass drei Tage New York sich nicht lohnen würden. Wenn ich es bis Sonntag nach NYC schaffen würde, tu’ ich’s, hatte ich beschlossen – egal wie viele Umwege es geben würde. Also fuhr ich zum Flughafen und ließ meinen Flug umbuchen. Die “beste” Verbindung war, am nächsten Vormittag von Oslo nach Madrid und von da abends nach NYC zu fliegen. Crazy Route! Erst ganz in den Norden, dann ganz in den Süden und schließlich rüber in die USA. Was soll’s – ist halt ein Abenteuer. Einmal ganz die Weltenbummlerin sein. Meine Mitreisenden waren auch dabei.

Zweiter Stopp: Madrid, Spanien

Nach dem Frühstück mit meiner Flug-Clique ging’s zum Flughafen und in drei Stunden landeten wir in Madrid. Einmal schnell vom kalten, verregneten Norwegen ins warme, sonnige Spanien. Obwohl wir eine super lange Reise vor uns hatten, war ich richtig gut gelaunt und von mir selbst überrascht. Was total half, war, nicht allein zu sein. Ich liebe es sowieso, neue Menschen kennenzulernen und einen Einblick in deren Leben zu bekommen.

Also diskutierte ich mit meinen Mitreisenden über Gott und die Welt, einmal ging’s um den Islam, dann wieder darum, wie das beste zuckerfreie Nutella gelingt. Der eine erzählte über seine Erfahrung als dreifacher alleinerziehender Vater, der andere über die riesige türkische Hochzeit seiner Tochter. Ich passte auf ihr Gepäck auf, als sie beteten, sie versorgten mich mit Schokolade. Dreamteam sag’ ich nur! Als wir schlussendlich im Flieger saßen, konnte ich es noch gar nicht fassen. Um 22:00 Uhr würde ich endlich in NYC ankommen.

Welcome to New York

Beim Landeanflug auf NYC hatte ich Taylor Swifts Song “Welcome to New York” in den Ohren und Tränen in den Augen. Ich hatte es geschafft! Erleichterung, Vorfreude, Dankbarkeit – da waren ganz viele Gefühle auf einmal. So richtig konnte ich es noch nicht fassen, selbst als ich im Taxi an der Skyline von NYC vorbeifuhr. Mein Taxifahrer war mir auch sofort sympathisch – reichte mir gleich sein Handy nach hinten, damit ich mir einen Hotspot einrichten konnte und versorgte mich mit pakistanischem Kuchen, als ich meinte, ich sei so hungrig, weil man auf dem Flug nicht mal ein Wasser bekam. I’m gonna love NYC – das war mir klar.

Um Mitternacht stand ich nach einer knappen Stunde endlich in Hannahs Straße. Was für ein tolles Gefühl! Ich musste nur noch schnell jemanden anquatschen, der vorbeiging, weil die Klingel nicht funktionierte. Dachte zuerst, ich sei zu blöd dafür. Der Typ war so nett, mich sein Handy benutzen zu lassen und schon kam Hannah runter, um mir die Tür zu öffnen. Nun war ich wirklich angekommen und mein NYC-Trip konnte so richtig losgehen. Vergessen war die lange Reise und all die Hindernisse, die ich überwinden musste. Ich war einfach nur glücklich. Für meine Freundinnen würde ich allemal um die halbe Welt reisen.

How to survive

Also – wie hab’ ich’s nun geschafft, nicht komplett durchzudrehen?

1. Den Nervenzusammenbruch zulassen.

Hilft ja alles nichts – der Ärger muss raus, damit man danach in Ruhe eine Lösung finden kann.

2. Verbündete suchen.

Es gibt meistens jemanden, dem es gleich geht. Zusammen ist’s immer leichter. Meine Flug-Clique meinte beim Rückflug sogar, sie hätten für vier eingekauft, weil ich nun eine von ihnen bin.

3.  Jemanden anrufen, der einem ein gutes Gefühl gibt.

Egal ob das Mama ist oder eine gute Freundin – allein die Stimme zu hören, vielleicht sogar zu FaceTimen, das tut so gut und hat mir am meisten geholfen.

4. Daran denken, was alles Schönes kommt.

Ich hab’ mich einfach noch mehr auf meine Freundinnen und unsere gemeinsame Zeit in NYC gefreut. Außerdem: Drei Tage New York statt vier? Challenge accepted!

Wie man aus drei Tagen NYC das Beste rausholt – mit Sightseeing, Shopping, leckerem Essen und Co – das lest ihr in meinem nächsten Post. ⚓ 

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